01 In diesem Kapitel schauen wir uns die Rechtsschutzversicherung in Deutschland an. 02 Wozu braucht man eine Rechtsschutzversicherung? Die Rechtsschutzversicherung übernimmt Kosten, die im Zusammenhang mit rechtlichen Auseinandersetzungen entstehen. Ziel ist der Schutz vor hohen Anwalts-, Gerichts- und Gutachterkosten sowie Absicherung gegen finanzielle Risiken eines Rechtsstreits. 03 Was sind die Leistungen der Rechtsschutzversicherung? Die Übernahme von Anwaltskosten, also die Kosten für die Beratung und Vertretung durch einen Rechtsanwalt. Das ist wichtig bei komplexen Rechtsfragen und Verfahren vor Gericht. Die Übernahme von Gerichtskosten, Gerichtsgebühren und Auslagen sowie die Abdeckung der Kosten für Zeugen und Sachverständige. Die Übernahme von Kosten für Mediation, also die Finanzierung von Mediationsverfahren zur außergerichtlichen Konfliktlösung. Vorteil ist hier eine schnelle und kostengünstige Einigung ohne Gerichtsverfahren. 04 Letztlich ist noch die Kautionsstellung zu nennen. Also die Bereitstellung einer Kaution bei strafrechtlichen Verfahren zur Vermeidung von Untersuchungshaft. Dies erfolgt in der Regel als zinsloses Darlehen. 05 Welche Bereiche deckt eine Rechtsschutzversicherung ab? Natürlich nur die Bereiche, die Sie in Ihrer Versicherungspolice auch versichert haben. Typisch ist hier ein Privatrechtsschutz. Er deckt private Rechtsstreitigkeiten ab, wie zum Beispiel Vertragsstreitigkeiten, Schadenersatzforderungen und Nachbarschaftsstreitigkeiten. Typische Fälle sind ein Streit mit dem Vermieter, Auseinandersetzungen mit Handwerkern und Probleme mit Kaufverträgen. Die Berufsrechtsschutz ist der Schutz bei Streitigkeiten im Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis. Typische Fälle sind Kündigungsschutzklagen, Lohn- und Gehaltsforderungen und Abmahnungen. Der Verkehrsrechtsschutz deckt rechtliche Auseinandersetzungen im Straßenverkehr ab. Typische Fälle sind Unfälle, Bußgeldbescheide, ein Führerscheinentzug und Schadenersatzforderungen. 06 Letztlich ist noch der Mieter- und Vermieterrechtsschutz zu nennen. Dies ist der Schutz bei Streitigkeiten rund um Miet- und Pachtverhältnisse. Typische Fälle sind Mietminderungen, Nebenkostenabrechnungen und Kündigungen. 07 Typischerweise gibt es eine Wartezeit zwischen dem Versicherungsbeginn und dem Leistungsanspruch, meist drei Monate. Der Zweck ist die Vermeidung von Versicherungsbetrug durch Abschluss unmittelbar vor einem absehbaren Rechtsstreit. Ausschlüsse sind vorsätzliche Straftaten. Es gibt also keine Übernahme der Kosten bei vorsätzlich begangenen Straftaten. Streitigkeiten im Zusammenhang mit Bauvorhaben sind auch oft ausgeschlossen oder separat versicherbar. Familienstreitigkeiten wie Scheidungs- und Unterhaltsangelegenheiten sind in der Regel auch nicht abgedeckt. 08 Die Beiträge sind abhängig vom Deckungsumfang, von der Selbstbeteiligung und vom Risiko. Optionale Zusatzbausteine wie Strafrechtsschutz oder Spezialrechtsschutz können die Beiträge erhöhen. Eine Selbstbeteiligung als festgelegter Betrag, den der Versicherte im Schadensfall selbst trägt reduziert die laufenden Beiträge. Üblich sind hier Selbstbeteiligungen von einhundertfünfzig bis fünfhundert Euro. 09 Ratsam ist es, eine möglichst hohe Versicherungssumme ab einhundertfünfzigtausend Euro oder sogar eine unbegrenzte Deckung zu wählen, um im Ernstfall umfassend abgesichert zu sein. Prüfen Sie, ob sich eventuell statt einer teureren Rechtsschutzversicherung ohne Selbstbeteiligung eine günstigere Rechtsschutzversicherung mit Selbstbeteiligung für Sie lohnen könnte. Liegt ein Versicherungsfall vor, müssen Sie diesen der Versicherung unverzüglich melden und eine Deckungszusage beantragen. Handelt es sich um einen Versicherungsfall, erteilt Ihre Versicherung die Deckungszusage, allerdings in den meisten Fällen vorerst nur für die erste Instanz. 10 Braucht man nun eine Rechtsschutzversicherung oder eher nicht? Grundsätzlich gehört eine Rechtsschutzversicherung nicht zu den wichtigsten Versicherungen. Ob sich ein Rechtsschutz für Sie aber tatsächlich und in welchem Umfang lohnt, hängt auch entscheidend von Ihrer persönlichen Situation beziehungsweise davon ab, ob Sie in bestimmten Bereichen wahrscheinlich einmal Rechtsschutz benötigen. 11 Was gibt es für Besonderheiten? Wer seine Rechtsschutzversicherung zu oft in Anspruch nimmt, muss mit einer Kündigung seitens der Versicherung rechnen. Die Rechtsschutzversicherung zahlt auch dann die Anwaltskosten und Gerichtskosten beziehungsweise trägt die Kosten der gegnerischen Partei, wenn man den Prozess verliert. Achten Sie aber darauf, dass die meisten Rechtsschutzversicherungen nur für den Teil der Anwaltskosten aufkommen, die im Rechtsanwaltsvergütungsgesetz festgelegt sind. Bei individuell mit dem Anwalt ausgehandelten Honoraren muss die Differenz selbst gezahlt werden. #Rechtsschutzversicherung #Anwalt #Gericht #Gutachter #Zeugen #Kaution #privat #Vertragsstreitigkeiten #Schadenersatzforderungen #Nachbarschaftsstreitigkeiten #Kaufverträge #Handwerker #Mieter #Vermieter #Berufsrechtsschutz #Wartezeit #Deckungsumfang #Versicherungssumme #Kündigung #Deckungszusage #Deckungsbereiche #Deckungssumme